Psychosomatik: Was Schwindel mit der Psyche zu tun hat

Ständiger oder wiederkehrender Schwindel kann die psychische Verfassung von Patienten – wie andere Krankheits-Symptome auch – drastisch beeinflussen und sich negativ auf die Lebensqualität auswirken. Besonders hilflos fühlen sich Betroffene vor allem dann, wenn keine körperlichen Ursachen gefunden werden. Dann fällt oft das Schlagwort „Psychosomatik“. Doch was bedeutet das? Und was hat die Psyche mit Schwindelsymptomen zu tun?

„Jede Diagnose ist besser als keine Diagnose!“ – diesen drastischen Ausspruch kennt man von Menschen, die oftmals bereits einen Ärzte-Marathon und eine Untersuchungs-Odyssee mit folgendem Ergebnis hinter sich haben: „Sie sind vollkommen gesund!“. Das eingangs erwähnte Zitat mag heftig klingen. Dahinter steht jedoch keineswegs das Bedürfnis, krank zu sein. „Viel eher geht es um die Hoffnung, endlich eine Ursache zu finden, die medikamentös rasch in den Griff zu bekommen ist, um die belastenden Symptome los zu werden“, weiß die Psychotherapeutin Mag. Katrin Hofer. Doch eben jene körperliche Ursache ist gerade im Fall von Schwindel – medizinisch Vertigo – nicht immer vorhanden. Wenn dem Schwindel kein physischer Auslöser zugrunde liegt, kann das Symptom auf eine seelische Belastung hindeuten. In diesem Fall spricht man von einem Teilbereich der Psychosomatik. Ein Gebiet, auf das sich Mag. Katrin Hofer spezialisiert hat.

Psychische Belastung durch umfangreiche Schwindel-Diagnose

Die Psychotherapeutin kennt den Leidensdruck, dem Vertigo-Patienten ausgesetzt sind. „Ich erlebe in meiner Praxis häufig die enorme psychische Belastung von Menschen, die ohne Diagnose vom Arzt nach Hause geschickt werden. Da besonders die Ursachen für Schwindel vielfältig sein können, waren viele Betroffene bereits bei zahlreichen Ärzten und haben nervenaufreibende sowie zeitintensive Untersuchungen hinter sich. Wenn es dann heißt ,Sie sind gesund’“, endet damit die Hoffnung auf schnelle medizinische Behandlung des Problems“, so Mag. Hofer.

Die Verzweiflung von Schwindel-Patienten ohne körperliche Diagnose ist oft umso größer, als dass der körperliche Schwindel real ist. Allein, die physische Ursache fehlt. Hier kommt die Psychosomatik ins Spiel, die seelische Einflüsse auf körperliche Vorgänge berücksichtigt. In diesen Fällen spricht man in der Fachsprache auch vom psychogenen – also psychisch bedingten – Schwindel. Eine häufige Ausprägung dieses Phänomens ist der phobische Schwankschwindel, der bei Betroffenen in Belastungssituationen auftaucht oder auch Ausdruck einer Panikattacke sein kann. „Vielfach kommt bei Patienten dann auch noch die Angst vor der nächsten Schwindelattacke dazu, sprich die Angst vor der Angst wird zum Thema“, weiß Mag. Hofer.

Psychogener Schwindel körperlich intensiv spürbar

Doch auch, wenn alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen werden, zögern viele Betroffene, den Psychotherapeuten aufzusuchen. „Das liegt daran, dass beim psychogenen Schwindel die Symptome körperlich oft sehr intensiv spürbar sind und die Patienten meinen, es gehe ihnen psychisch ja hervorragend. Die Vorstellung, Körperliches auf der seelischen Ebene zu betrachten, ist manchen fremd. Man versucht sich also, von den eigenen psychischen Belastungen zu distanzieren. Vor allem, wenn diese vordergründig nicht spürbar sind. Doch oftmals belastet unsere Psyche eben etwas Unbewusstes, das der Körper zeigen möchte. Der Körper spricht also in diesem Fällen mit uns“, so die Psychosomatik-Expertin.

Auch wenn Schwindel ein Ausdruck von Angststörungen oder Panikattacken sein kann, muss hinter dem psychogenen Schwindel nicht zwangsläufig eine ernste psychische Erkrankung stehen. „Psychische Belastungen können auch nur über eine kurze Zeit hinweg bestehen und Symptome hervorrufen. Betroffene können sich beispielsweise die folgenden Fragen stellen:“

Fragen, die Sie sich bei psychisch bedingtem Schwindel stellen können:

  • Was assoziieren Sie selbst mit dem Schwindel?
  • Was bedeutet der Schwindel für Sie?
  • Was können oder dürfen Sie im Moment nicht klar sehen?
  • Was erlaubt Ihnen nicht, schwindelfrei durchs Leben zu gehen?
  • Was haben Sie – so wie den Schwindel – nicht unter Kontrolle?

„Diese und andere Fragen sind Wegweiser zu den möglichen psychogenen Auslösern des Vertigo“, so Mag. Hofer weiter. „Denn wer von Gleichgewichtsstörungen betroffen ist, kann während einer Attacke oftmals nicht klar sehen. Man fühlt sich vielleicht verwirrt, nimmt alles verschwommen wahr.“ Und diese körperlichen Gefühle lassen sich zumeist auf Empfindungen in anderen Lebenssituationen umlegen.

Schwindel: Psychische Ursache hinter körperlichem Symptom

Psychotherapie hilft also dabei, die psychische Ursache hinter den körperlichen Symptomen zu finden. „Je fürsorglicher und sensibler wir mit den Zeichen unseres Körpers umgehen, desto eher kann man verstehen, wofür diese Zeichen stehen. Um ihnen so entgegen zu wirken und im besten Fall zu vermeiden, dass die Symptome verschleppt und damit chronisch werden.“

 

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