Wenn sich alles dreht – Was Sie über Schwindel wissen müssen

Wenn sich plötzlich alles dreht, ist das für viele Menschen vor allem eines: Beängstigend. Schwindelzustände gehören je nach Ausprägung zu den wohl unangenehmsten Symptomen unseres Körpers. Und die Zahl der von Schwindel Betroffenen nimmt zu: Denn bereits jeder 10. Patient in der Praxis der Allgemeinmediziner sucht ärztlichen Rat aufgrund seiner Schwindelsymptome.

„Schwindelpatienten sind relativ häufig bei mir. Gerade die Jüngeren kommen aufgrund der Symptomatik, eben weil sie sehr belastend ist, während bei älteren Patienten der Schwindel oft erst als Begleiterscheinung im Anamnesegespräch erwähnt wird. Schwindel ist dabei in allen Altersgruppen eine Belastung. Viele Patienten haben schon einiges probiert und das Gefühl, mit dem Schwindel Leben zu müssen. Gerade für ältere Personen, die durch den Schwindel teilweise auch gangunsicher werden, bedeutet er oftmals sogar eine Einschränkung der Mobilität und damit der Lebensqualität. Dass oft keine Ursache gefunden werden kann, verunsichert die Patienten zusätzlich“, so Dr. med. Ilse Fleck-Vaclavik, die ihre allgemeinmedizinische Praxis in Perchtoldsdorf betreibt und ihr Hauptaugenmerk auf die ganzheitliche Behandlung ihrer Patienten legt. Gerade dieser Ganzheitlichkeit kommt beim Thema Schwindel – in der Fachsprache auch Vertigo genannt – eine besondere Bedeutung zu. Denn Schwindel ist ein facettenreiches Symptom mit einer Vielzahl an Ursachen, Formen und Ausprägungen.

Der Schwindel an sich stellt dabei keine eigene Erkrankung dar, sondern ist vielmehr ein Ausdruck anderer Ursachen. „Zumeist treten Schwindelgefühle plötzlich auf. Das kennt fast jeder, etwa wenn der Kreislauf belastet ist. So schnell der Schwindel auftritt, so rasch vergeht er in vielen Fällen wieder. Hinter dem Gefühl des Wankens oder Schwankens steckt also oftmals eine harmlose, vorübergehende Ursache. Trotzdem gehört der Schwindel jedenfalls ärztlich abgeklärt“, rät Dr. Fleck-Vaclavik.

Wann ist ein Arztbesuch bei Schwindel dringend angeraten?

Wenngleich viele Schwindelgefühle harmloser Natur sind, kann das Symptom in einigen Fällen Hinweis auf eine ernstzunehmende Erkrankung wie Durchblutungsstörungen im Gehirn, Angststörungen, Tumore oder Epilepsie sein. In den folgenden Fällen sollten Sie demnach Ihre Symptome umgehend mit einem Arzt abklären:

  • Wenn gewisse Kopfbewegungen immer wieder zu Schwindel führen
  • Wenn zu ihrem Schwindelgefühl Begleiterscheinungen auftauchen, wie etwa Kopfschmerzen, Übelkeit, das Gefühl von Benommenheit, Sehstörungen, Atemnot, Fieber Infekte oder Ohrensausen
  • Wenn Schwindelattacken intensiv, ohne äußere Ursache, akut und wiederkehrend auftauchen
  • Wenn der Schwindel in bestimmten Situationen regelmäßig wiederkehrt, z.B. bei Stress, beim Autofahren, in engen Räumen oder in großen Menschenmengen

Die oben genannten Symptome können Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung sein. Denn es gibt zahlreiche Ursachen für das Dreh- und Schwankgefühl. Um sich diese Ursachen näher anzusehen, bedarf es zuerst einer Unterscheidung der verschiedenen Schwindelarten.

Menschen, die über Schwindel klagen, äußern meist, dass sie das Gefühl haben, dass sich alles dreht, sie schwanken oder sie sich nicht sicher bewegen können. Manche Patienten beschreiben mit dem Schwindel auch das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden. Das bedeutet, dass verschiedene Empfindungen als Schwindel beschrieben werden, wodurch es einer gründlichen Einordnung des Symptoms bedarf. „Wir Ärzte unterscheiden zwischen dem systematischen Schwindel, der direkt mit dem Gleichgewichtsorgan zusammenhängt und dem unsystematischem Schwindel. Dieser hat andere Ursachen, hinter denen etwas Chronisches stecken kann, wie beispielsweise eine Belastung oder Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems“, sagt Dr. Ilse Fleck-Vaclavik. Damit Ärzte die Empfindungen von Schwindelpatienten besser eingrenzen können, wird zwischen verschiedenen Arten von Schwindel unterschieden.

Welche Arten von Schwindel gibt es?

SchwindelartTypische Beschwerden
DrehschwindelDer Drehschwindel ist dadurch gekennzeichnet, dass Patienten das Gefühl haben, die Umgebung drehe sich. Manche Menschen erleben den Drehschwindel nach übermäßigem Alkoholkonsum oder nach zu schnellem Aufstehen.
SchwankschwindelDer Schwankschwindel tritt meist völlig überraschend auf und sorgt dafür, dass Menschen das Gefühl haben, der Boden würde sich bewegen. Patienten beschreiben diesen Zustand, als würden sie auf einem Schiff bei starkem Seegang versuchen zu gehen.
LiftschwindelDer Liftschwindel kann ein Hinweis auf die Störung unseres Gleichgewichtsorganes sein. Ihren Namen hat diese Schwindelform von dem beschriebenen Gefühl, im Lift bzw. auf einer Achterbahn zu fahren. Zu den Ausprägungen des Liftschwindels gehört jedoch auch das Gefühl des Hinfallens.
Pseudo-VertigoManche Patienten beschreiben beispielsweise ein Benommenheitsgefühl oder Augenflimmern als Schwindel. Da zu diesen Symptomen allerdings keine Scheinbewegungen und kein Gefühl des Schwankens hinzukommt, ist in diesen Fällen vom sogenannten Pseudo-Vertigo die Rede.

„Wesentlich ist, dass all diese Schwindelarten eine besondere Vielzahl an Auslösern haben können und es für eine gründliche Diagnose sowie einen sinnvollen Behandlungsplan Zeit braucht. Diese Abklärungsphase ist für viele Patienten eine Belastungsprobe, da oft zahlreiche Fachgruppen involviert sind. Doch sie ist notwendig, um schwerwiegende Erkrankungen zu erkennen bzw. auszuschließen“, weiß Dr. Ilse Fleck-Vaclavik.

Was kann die Ursache für Schwindel sein?

Dem Schwindel können also zahlreiche Auslöser zugrunde liegen, die von Gleichgewichtsstörungen über psychische Ursachen bis hin zu ungewöhnlichen Sinnesreizen wie bei der Reiseübelkeit liegen. Die häufigsten Ursachen für Schwindelgefühle sind:

Vestibulärer SchwindelVom vestibulären Schwindel sprechen Ärzte dann, wenn er durch Störungen im Gleichgewichtssystem ausgelöst wird. Diese können sich sowohl als Irritationen bzw. Erkrankungen des Innenohrs oder des Gleichgewichtsnervs zeigen oder als zentraler vestibulärer Schwindel. Von diesem spricht man, wenn der Hirnstamm, das Kleinhirn oder das Großhirn erkrankt sind.
Nicht-vestibulärer SchwindelSo heißt die Diagnose, wenn dem Schwindel keine neurologischen Ursachen zugrunde liegen und die Gleichgewichtsorgane in Ordnung sind. Die Auslöser für die Schwindelgefühle können dann vielfältig sein: Das Halswirbelsäulensyndrom, zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Unterzuckerung, unpassende Brillen oder Blutarmut.
Morbus MenièreDie Ursache für diese Erkrankung ist nicht genau bekannt. Charakteristisch ist ein anfallsartiges Drehschwindelgefühl, zu dem ein Tinnitus kommt.
LagerungsschwindelDer Lagerungsschwindel – genauer gesagt: Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV) – gehört zu den häufigsten Schwindelursachen. Ihm Zugrunde liegen kleine Steinchen im Gleichgewichtsorgan, die bei einer Veränderung der Körperhaltung die Sinneszellen reizen und dadurch einen plötzlichen Schwindelanfall auslösen. Dies kann auch im Liegen geschehen.

Weitere Schwindelauslöser können auch die Entzündung eines Gesichtsnervs, eine Erkrankung des Innenohrs, bestimmte Migräne-Formen, Geschwulste sowie Tumore, Epilepsie und psychische Erkrankungen sein. Wenn dem Schwindel keine körperliche Ursache zugrunde liegt, können Depressionen, Angsterkrankungen oder psychische Belastungen ursächlich am Schwindelgefühl beteiligt sein.

Schwindel: Welcher Arzt ist der richtige?

Aufgrund dieser zahlreichen möglichen Schwindelauslöser gibt es verschiedene konkrete Ansprechpartner, die Sie im Fall von Schwindelsymptomen aufsuchen können. Dazu gehört:

  • Der Allgemeinmediziner
  • Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt
  • Der Orthopäde
  • Der Internist
  • Der Augenarzt
  • Der Neurologe
  • Der Psychiater
  • Der Psychotherapeut

Um eine vollumfängliche Diagnose zu ermöglichen, gibt es zahlreiche Untersuchungsmöglichkeiten. Neben Seh- und Hörtest gehören dazu unter anderem motorische Gleichgewichtsprüfungen, Langzeitblutdruckmessungen, ein Röntgen der Halswirbelsäule sowie Ultraschalluntersuchungen von Herz und Arterien.

Was können Sie gegen Schwindel tun? Behandlung von Schwindel:

Sind Art und Ursache des Schwindels erst einmal herausgefunden, geht es an die Behandlung des Dreh- und Schwankgefühls. Je nach Auslöser können etwa bestimmte Medikamente – so genannte Antivertiginosa – verschrieben werden, die häufig das Symptom bessern, allerdings die Ursache nicht behandeln. „Aber gerade bei Schwindelpatienten habe ich mit konstitutioneller Behandlung durch homöopathische Einzelmittel sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich arbeite aber auch erfolgreich mit einem homöopathischen Komplex-Präparat, das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin als gleichwertig mit schulmedizinischen Medikamenten empfohlen wurde“, so Dr. Fleck-Vaclavik.

In einigen Fällen ist bei Schwindelattacken neben der medizinischen Abklärung eine Psychotherapie angezeigt. In Ausnahmefällen und je nach Ursache kann der Schwindel nach gründlicher Abwägung auch operativ durch die medikamentöse Ausschaltung des Gleichgewichtsorgans behandelt werden. Glücklicherweise sind viele Formen der Schwindelgefühle durch körperliche Übungen und Lagerungstrainings in den Griff zu bekommen.

 

 

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